Laienspiel

 

Um diesen Teilbereich der Volkstumsarbeit zu beleuchten, jedoch aus der Sicht des Bezirks Schwaben, sei hier ein Aufsatz von Walter Wörtz, dem Mitarbeiter des damaligen Bezirksheimatpflegers, in gekürzter Form wiedergegeben, so wie er in der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Arbeitsgemeinschaft 1985 zu lesen war:

 

An der Sprache erkennt man den Schwaben, so sagt mit Recht der Volksmund, soweit er sich zu seinem Mutterlaut, zu seiner sprachlichen Herkunft bekennt. Sie hat Töne, Klänge und Rhythmen, die es in keiner anderen Sprache gibt. Dialekt sprechen bedeutet daher Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gegend, zu einer Gemeinschaft, wo man versteht und verstanden wird, wo man daheim ist. Dialekt schafft nicht nur Heimat, er ist gleichzeitig ihre Visitenkarte. In ihm werden Eigenarten einer Landschaft und ihrer Bewohner lebendig, er macht den Volkscharakter einer Gegend spürbar. Dialekt ist also das richtige Mittel für das Volkstheater. Hier kann sich der theaterbegabte Laie entfalten, „er kann schwätzen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist“. Kein Wunder, daß sich viele Laienspielgruppen und Theatervereine in jüngster Zeit auf ihre eigene Sprache besonnen haben. Es gibt in Schwaben nur wenige Orte, in denen nicht regelmäßig gespielt wird.

 

Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts sind es vereinsmäßig organisierte Gruppen, die das Spiel auf der Bühne pflegen. Um die Jahrhundertwende und teilweise bis in die 1960er Jahre standen vor allem Operetten, Singspiele, Historienspiele, bäuerliche Rührstücke und religiöse Legendenspiele auf dem Programm Der Zeitgeschmack änderte sich. Unterhaltsame Komödien und Lustspiele stehen heute in der Gunst des Publikums.

 

Zur aktiven Unterstützung der Laienspielgruppen berief der Bezirk Schwaben erstmals 1972 einen nebenamtlich tätigen Laienspielberater. Er berät die Gruppen bei der Bühnengestaltung und gibt Hilfestellungen bei der Inszenierung. Im Rahmen der jährlich im Schwäbischen Bildungszentrum im Irsee stattfindenden Laienspielseminare können Spielleiter, Bühnentechniker und Maskenbildner an praktischen Fortbildungskursen teilnehmen. In der vom Bezirksheimatpfleger herausgegebenen Reihe „Spiel- und Arbeitshilfen für die schwäbischen Laienspielbühnen“ erschien 1980 mit Heft 3 eine Sammlung schwäbischer Mundartstücke unter dem Titel „Was wollen wir spielen“. Walter Wörtz beschrieb die in diesem Heft gesammelten Theaterstücke, was samt den veröffentlichen Adressen von Theaterverlagen zu einer wichtigen Informationshilfe für die Spielgruppen bei der Stückauswahl wurde. Diese Bestandsaufnahme machte aber deutlich, daß das schwäbische Mundarttheater mit nur 40 abendfüllenden Stücken noch immer auf recht wackeligen Beinen stand. Deshalb wurden vom Bezirk mehrfach Autorenwettbewerbe mit unterschiedlichem Erfolg ausgeschrieben. Mal konnten sich die neu entstandenen Spielstücke etablieren, mal scheiterte eher die Aktion am zu hohen Anspruch der Autoren.

 

Viele Gruppen greifen indes auch zu bewährten Komödien. Goldoni, Molière, Nestroy – viele ihrer klassischen Stücke wurden erfolgreich in schwäbischer Mundart aufgeführt. Mag die Qualität der Übertragung unterschiedlich beurteilt werden, wichtig ist, daß die Laienspielgruppen den Mut zum experimentieren haben und so neue Publikumsschichten für das Mundarttheater gewinnen können.

 

Zu den wichtigsten Aufgaben der Heimat- und Volkstumspflege gehört das lebendige Dialekttheater mit unterhaltsamen, spannenden und zeitgemäßen Stücken. Dialekt allein, im Zeitalter der Nostalgie häufig als Mittel der Originalität oder zur besseren Vermarktung eingesetzt, genügt nicht. Eine kritische Bestandsaufnahme der aufgeführten Stücke Mitte der 1980er Jahre zeigt, daß im „sündigen Dorf“ noch immer der „dalgete Bua“ sehnsüchtig „Schatzerl, mach auf ruft“ und wir erfahren, daß ihm noch immer „s Herz in der Lederhosen“ schlägt. Es bleibt immer noch viel zu tun, damit das traditionsreiche, schwäbische Volkstheater seine Aufgaben in der Pflege der Volkskultur erfüllt.

 

 

Für die Arbeitsgemeinschaft gilt, was in der Festschrift zum 30-jährigen Bestehen der Arbeitsgemeinschaft 1990 zu lesen war:

 

Hatten sich für alle bisher genannten Teilgebiete der aktiven Volkstumspflege (Volksmusik und Volkslied, Volkstanz und Tracht) zahlreiche „Fachleute“ zur Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft bereit erklärt, so blieb es auf dem Gebiet des Laienspiels stumm. Zwar gab es auch vor 30 Jahren schon viele Laienspielgruppen, jedoch mit ziemlich unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. So beschränkte sich die Arbeitsgemeinschaft darauf, Veranstaltungen guter Gruppen im „Alphorn“ bekannt zu geben und diese auch zu besuchen. Zwischenzeitlich erfuhr das Laienspiel- bzw. Mundarttheater durch die Bezirksheimatpfleger tatkräftige Unterstützung durch Tagungen, Beratung und Literatur.  

Übersicht

 

07.03.2012